Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 soll ein gigantisches Fest werden: 48 Teams, 104 Spiele, drei Gastgeberländer – USA, Kanada und Mexiko. FIFA selbst bewirbt das Turnier als größte WM der Geschichte. Doch je näher der Anpfiff rückt, desto lauter werden die kritischen Stimmen: Fans klagen über hohe Kosten, Menschenrechtsorganisationen warnen vor einem angespannten Einreiseklima, und rund um FIFA-Governance sowie Ticketpraktiken stehen erneut Transparenzfragen im Raum.
1. Korruption und Intransparenz: Der alte FIFA-Schatten ist nicht weg
Bei der WM 2026 gibt es keinen öffentlich belegten Korruptionsskandal wie bei früheren FIFA-Affären. Trotzdem bleibt das Thema präsent, weil die FIFA seit Jahren mit Misstrauen kämpft. Der Fußballweltverband versucht zwar, sich nach den Skandalen der Blatter-Ära als reformiert zu präsentieren, doch Kritiker sehen weiterhin ein Machtgefüge, das stark auf Einnahmen, politische Nähe und wenig öffentliche Kontrolle ausgerichtet ist. Der New Yorker beschreibt FIFA-Präsident Gianni Infantino als zentrale Figur eines Verbandes, der wirtschaftlich enorm gewachsen ist, aber zugleich wegen intransparenter Entscheidungsprozesse und stark personalisierter Führung kritisiert wird.
Dazu kommt: Auch bei zukünftigen Turnieren gibt es massive Kritik. Amnesty International und Human Rights Watch warnten im Zusammenhang mit den WM-Vergaben 2030 und 2034 vor Menschenrechtsrisiken und forderten glaubwürdigere Schutzkonzepte. Gerade die Vergabe der WM 2034 an Saudi-Arabien wurde von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert. Das betrifft nicht direkt die WM 2026, zeigt aber: Das Vertrauen in FIFA-Entscheidungen ist weiterhin angeschlagen.
Aktuell rückt besonders der Ticketverkauf in den Fokus. Medien berichten, dass Behörden in New York und New Jersey Untersuchungen zu FIFA-Ticketpraktiken eingeleitet haben sollen, nachdem Fans über hohe Preise, Sitzplatzänderungen und mögliche Irreführung klagten. Solche Vorwürfe sind nicht automatisch Korruption – aber sie passen in ein größeres Bild: Viele Fans empfinden die FIFA als Organisation, die beim wichtigsten Fußballturnier der Welt zu wenig transparent handelt.
2. Hohe Preise: Die WM wird für viele Fans zum Luxusgut
Die WM 2026 dürfte für viele Fans die teuerste Reise ihres Fußballlebens werden. Schon einfache Tickets, Flüge, Hotels und Inlandstransporte summieren sich schnell. Associated Press berichtet, dass selbst sehr treue WM-Fans diesmal aus Kostengründen verzichten oder weniger Spiele besuchen wollen. Genannt werden unter anderem hohe Ticketpreise, teure Reisen zwischen den Austragungsorten und fehlende kostenlose Intercity-Transportangebote wie bei manchen früheren Turnieren.
FIFA verweist darauf, dass es sogenannte Entry-Tier-Tickets für 60 US-Dollar geben soll – sogar für alle 104 Spiele inklusive Finale. Gleichzeitig erklärt FIFA aber auch, dass Preise je nach Nachfrage und Verfügbarkeit über die Verkaufsphasen hinweg angepasst werden können. FIFA nennt das ausdrücklich nicht „dynamic pricing“, sondern „variable pricing“. Für Fans macht dieser begriffliche Unterschied allerdings wenig aus, wenn beliebte Partien am Ende deutlich teurer werden.
Auch der offizielle Wiederverkauf ist ein Streitthema. Laut FIFA beträgt die Gebühr auf dem offiziellen Resale/Exchange Marketplace 15 Prozent des Gesamtpreises. Kritiker sehen darin eine zusätzliche Belastung für Fans, die ohnehin schon hohe Reisekosten tragen müssen.
Dazu kommen Unterkunftspreise. Bei Großereignissen steigen Hotel- und Airbnb-Preise in Gastgeberstädten oft stark, besonders wenn mehrere Spiele in derselben Region stattfinden. Fans müssen also nicht nur ein Ticket bezahlen, sondern auch Flüge, Hotels, Nahverkehr, Essen, mögliche Visa-Gebühren und im schlimmsten Fall zusätzliche Kosten durch kurzfristige Planänderungen. Aus einem Fußballtrip wird schnell ein finanzielles Mammutprojekt.
3. Einreisebedingungen: Nicht jeder Fan kommt einfach rein
Besonders kompliziert wird es für internationale Fans, die Spiele in den USA besuchen wollen. Viele Reisende brauchen entweder eine ESTA-Genehmigung oder ein B1/B2-Besuchervisum. Die US-Regierung hat dafür gemeinsam mit FIFA ein Priority Appointment Scheduling System, kurz PASS, eingeführt. Es soll Ticketinhabern helfen, schneller einen Termin für ein Visainterview zu bekommen. Wichtig ist aber: Ein schnellerer Termin bedeutet keine automatische Visaerteilung. Die normale Sicherheits- und Zulässigkeitsprüfung bleibt bestehen.
Die US-Regierung weist außerdem darauf hin, dass weltweite Wartezeiten für B1/B2-Visa erheblich variieren können. Gerade für Fans aus Ländern mit langen Wartezeiten kann das problematisch sein, weil ein Ticket allein nicht garantiert, dass man rechtzeitig einreisen darf.
Menschenrechtsgruppen kritisieren zusätzlich das politische Klima in den USA. Reuters berichtete Anfang Juni 2026 über Warnungen vor einem „climate of fear“, also einem Klima der Angst, ausgelöst durch strenge Einwanderungspolitik, Grenzkontrollen und Sorgen vor aggressiver Durchsetzung von Einwanderungsrecht. Die US-Regierung weist solche Vorwürfe zurück und verspricht ein sicheres Turnier, doch bei vielen Fans bleibt Unsicherheit.
Ein Beispiel zeigt, wie sensibel das Thema ist: In Los Angeles erklärte der Sheriff, ihm sei zugesichert worden, dass ICE bei WM-Spielen und Veranstaltungen keine zivilen Einwanderungskontrollen durchführen werde. Gleichzeitig sagte er aber auch, dass sich diese Lage ändern könne. Für Fans ohne gesicherten Aufenthaltsstatus oder mit komplizierter Visasituation ist das keine beruhigende Botschaft.
4. Was bedeutet das für die Fans?
Die WM 2026 wird sportlich riesig. Aber sie wirkt für viele nicht mehr wie ein niedrigschwelliges Fan-Fest, sondern wie ein globales Premiumprodukt. Wer genug Geld, den richtigen Pass und früh gebuchte Unterkünfte hat, kann ein einmaliges Turnier erleben. Wer aus einem Land mit schwieriger Visalage kommt oder knapp kalkulieren muss, steht vor echten Hürden.
Das ist der zentrale Widerspruch: Die FIFA verkauft die WM als Turnier für die ganze Welt. Praktisch wird sie aber für viele Fans teurer, komplizierter und unsicherer. Genau daraus entsteht die Kritik: Nicht nur an einzelnen Ticketpreisen oder Visaregeln, sondern an der Frage, wem eine Weltmeisterschaft eigentlich gehören soll – den Fans oder vor allem den Organisationen, Sponsoren und Gastgeberstrukturen, die daran verdienen.
Fazit
Korruption, hohe Preise und erschwerte Einreisebedingungen sind bei der WM 2026 keine drei getrennten Randthemen. Sie hängen zusammen, weil sie alle das Vertrauen der Fans berühren. Die FIFA muss erklären, warum ein Turnier, das global sein will, für viele Menschen finanziell und organisatorisch kaum erreichbar ist. Die Gastgeberländer müssen zeigen, dass Sicherheit nicht in Abschreckung kippt. Und die Fans werden am Ende sehr genau merken, ob diese WM wirklich ein Fußballfest wird – oder ein Event, bei dem der Zugang zum Stadion stärker vom Geldbeutel und Reisepass abhängt als von der Liebe zum Spiel.
Quellen
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FIFA: Offizielle Informationen zum Spielplan und zur Struktur der WM 2026
https://www.fifa.com/en/tournaments/mens/worldcup/canadamexicousa2026/articles/match-schedule-fixtures-results-teams-stadiums -
The New Yorker: Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino und FIFA-Governance
https://www.newyorker.com/magazine/2026/06/08/the-world-cup-according-to-gianni-infantino -
Amnesty International: Kritik an FIFA-Vergabeprozessen und Menschenrechtsfragen
Global: FIFA should halt process for 2034 World Cup bid and demand credible human rights strategy for 2030
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Times of India: Bericht zu Untersuchungen rund um Ticketpraktiken bei der WM 2026
https://timesofindia.indiatimes.com/sports/international-sports/beyond-the-game/fifa-world-cup-ticket-scandal-deepens-with-refunds-looming-and-investigators-circling-pricing-practices/articleshow/131401948.cms -
Associated Press: Bericht über hohe Kosten für Fans bei der WM 2026
https://apnews.com/article/4849eee759674ef67f789cbf1d82fb94 -
FIFA: Informationen zu Ticketpreisen und Preiskategorien für die WM 2026
https://www.fifa.com/en/tournaments/mens/worldcup/canadamexicousa2026/articles/fifa-world-cup-2026-new-ticket-pricing-tier -
FIFA Ticketing Help Center: Gebühren beim offiziellen Resale/Exchange Marketplace
https://gpcustomersupportfwc2026.tickets.fifa.com/hc/en-gb/articles/30546729938717-28-What-are-the-fees-for-reselling-exchanging-FIFA-World-Cup-2026-tickets-on-the-FIFA-Resale-Exchange-Marketplace -
U.S. Department of State: FIFA World Cup 2026 Visa PASS FAQ
https://www.state.gov/fifa-world-cup-26-visas-pass-faq -
U.S. Department of State: Globale Wartezeiten für Visa-Termine
https://travel.state.gov/content/travel/en/us-visas/visa-information-resources/global-visa-wait-times.html -
Reuters: Bericht über Warnungen von Menschenrechtsgruppen vor einem „climate of fear“ bei der WM 2026
https://www.reuters.com/world/rights-group-warn-climate-fear-us-world-cup-games-2026-06-03/ -
Reuters: Bericht zu ICE-Kontrollen und WM-Spielen in Los Angeles
https://www.reuters.com/sports/soccer/los-angeles-sheriff-says-ice-enforcement-not-expected-world-cup-matches-2026-06-01/