Deutschland spielt bei der WM 2026 in Gruppe E gegen Curaçao, die Elfenbeinküste und Ecuador. Das Auftaktspiel steigt am 14. Juni in Houston gegen Curaçao, danach geht es am 20. Juni in Toronto gegen die Elfenbeinküste und am 25. Juni in Kansas City gegen Ecuador.
Auf dem Papier ist das eine Gruppe, in der Deutschland weiterkommen muss. Aber: Genau solche Gruppen können unangenehm werden. Curaçao bringt die Underdog-Energie mit, die Elfenbeinküste kommt mit Tempo, Physis und frischem Selbstbewusstsein, Ecuador ist taktisch reif, defensiv stark und mit europäischen Topspielern gespickt.
Curaçao: der historische Außenseiter mit Oranje-DNA
Curaçao ist die große Geschichte dieser Gruppe. Das Land gibt sein WM-Debüt und gilt als kleinste Nation, die sich jemals für eine WM-Endrunde qualifiziert hat. Die Mannschaft von Dick Advocaat lebt stark von Spielern mit niederländischer Ausbildung und curaçaoischen Wurzeln. In der Qualifikation blieb Curaçao zehn Spiele ungeschlagen, unter anderem mit wichtigen Resultaten gegen Haiti, Trinidad und Jamaika.
Die letzten Ergebnisse: Kurz vor der WM gab es allerdings einen Dämpfer: Curaçao verlor am 30. Mai in einem Testspiel mit 1:4 gegen Schottland. Früh sah das Team durch Tahith Chongs Solo-Tor sogar gut aus, danach kippte das Spiel nach einer Roten Karte gegen Jürgen Locadia deutlich. Am 6. Juni steht noch der letzte Test gegen Aruba an.
Die Stars: Kapitän Leandro Bacuna ist der Kopf der Mannschaft, dazu kommen sein Bruder Juninho Bacuna, Torwart Eloy Room und Offensivspieler Tahith Chong. Trainer Dick Advocaat ist ebenfalls fast schon ein Star dieser WM-Geschichte: Mit 78 Jahren bringt er enorme Erfahrung und eine klare, pragmatische Handschrift mit.
Einschätzung: Gegen Curaçao ist Deutschland klarer Favorit. Trotzdem sollte man dieses Spiel nicht als lockeres Warm-up betrachten. Der Außenseiter wird tief stehen, emotional spielen und auf Umschaltmomente hoffen. Wichtig wird sein, früh Druck zu machen und keine Nervosität entstehen zu lassen.
Elfenbeinküste: der gefährlichste Gegner der Gruppe?
Die Elfenbeinküste ist wohl der Gegner, bei dem Deutschland am meisten aufpassen muss. Das Team ist amtierender Afrika-Cup-Sieger und hat unter Trainer Emerse Faé eine bemerkenswerte Entwicklung genommen. Die Ivorer qualifizierten sich ungeschlagen in ihrer CAF-Gruppe und kommen mit einer Mischung aus körperlicher Wucht, Tempo und individueller Qualität.
Die letzten Ergebnisse: Der Formcheck ist eindrucksvoll: Im März gewann die Elfenbeinküste 4:0 gegen Südkorea und 1:0 gegen Schottland. Am 4. Juni folgte ein echter Paukenschlag: ein 2:1-Testspielsieg gegen Frankreich in Nantes. Frankreich führte durch Rayan Cherki, doch Guéla Doué glich aus und bereitete später den Siegtreffer von Amad Diallo vor.
Die Stars: Im Zentrum stehen Namen wie Franck Kessié, Ibrahim Sangaré, Seko Fofana, Evan Ndicka und Ousmane Diomande. In der Offensive sorgen Amad Diallo, Nicolas Pépé, Simon Adingra und Youngster Yan Diomande für Tempo und Eins-gegen-eins-Qualität. Interessant: Erfahrene Namen wie Sébastien Haller, Wilfried Zaha und Jérémie Boga fehlen im Kader, trotzdem wirkt die Mannschaft nicht schwächer, sondern eher frischer.
Einschätzung: Das ist kein klassischer Außenseiter, sondern ein Gegner auf Augenhöhe, wenn Deutschland nicht voll da ist. Die Elfenbeinküste kann Spiele über Athletik und Umschaltmomente aufreißen. Für die DFB-Elf wird entscheidend sein, Ballverluste im Zentrum zu vermeiden und die schnellen Flügelspieler nicht ins Laufen kommen zu lassen.
Ecuador: defensiv stark, bissig und extrem unangenehm
Ecuador ist vielleicht der unscheinbarste, aber taktisch stabilste Gegner der Gruppe. Die Mannschaft von Sebastián Beccacece bringt eine starke defensive Achse mit, viel Intensität im Mittelfeld und einen erfahrenen Torjäger vorne. Ecuador spielt nicht unbedingt spektakulär, aber sehr reif – genau das macht dieses Team gefährlich.
Die letzten Ergebnisse: Ecuador gewann sein jüngstes Testspiel am 31. Mai mit 2:1 gegen Saudi-Arabien. Davor zeigen die jüngeren Resultate eine eher kontrollierte, stabile Form: Soccerway listet unter anderem ein 1:1 gegen die Niederlande Ende März. Vor dem WM-Start steht am 7. Juni noch ein Test gegen Guatemala an.
Die Stars: Der größte Name ist Moisés Caicedo vom FC Chelsea, der im Mittelfeld als Balleroberer, Antreiber und Taktgeber enorm wichtig ist. Dazu kommen Willian Pacho von Paris Saint-Germain, Piero Hincapié vom FC Arsenal, Pervis Estupiñán vom AC Milan und Kapitän Enner Valencia, Ecuadors Rekordtorschütze.
Einschätzung: Ecuador dürfte für Deutschland vor allem dann gefährlich werden, wenn es im letzten Gruppenspiel noch um Platz eins oder ums Weiterkommen geht. Die Südamerikaner sind zweikampfstark, diszipliniert und können über Caicedo das Zentrum dichtmachen. Gegen Ecuador braucht Deutschland Geduld – und vor allem Präzision im letzten Drittel.
Fazit: Deutschland ist Favorit, aber die Gruppe hat Zähne
Die Gruppe E ist keine Todesgruppe, aber sie ist deutlich kniffliger, als sie auf den ersten Blick wirkt. Curaçao ist der emotionale Außenseiter, gegen den Deutschland seriös starten muss. Die Elfenbeinküste ist der formstarke Herausforderer mit echter Upset-Gefahr. Ecuador ist die abgeklärte, unangenehme Mannschaft, die jedem Favoriten das Leben schwer machen kann.
Für Deutschland gilt: Ein souveräner Auftakt gegen Curaçao wäre Gold wert. Danach wartet mit der Elfenbeinküste der vermutlich härteste Härtetest. Und gegen Ecuador könnte es taktisch richtig zäh werden. Die DFB-Elf sollte weiterkommen – aber diese Gruppe verzeiht keinen schläfrigen Nachmittag.
Was passiert, wenn Deutschland Gruppensieger wird?
Gewinnt Deutschland die Gruppe E, geht es im Sechzehntelfinale nach Boston. Dort würde die DFB-Elf gegen einen Gruppendritten antreten.
Das klingt zunächst nach einer guten Ausgangslage. Allerdings ist das neue WM-Format mit 48 Teams nicht ganz ohne: Auch ein Gruppendritter kann aus einer starken Gruppe kommen. Im ungünstigen Fall könnten dort große Namen wie Brasilien, die Niederlande oder Marokko warten.
Ein Gruppensieg wäre trotzdem der beste Weg: Er bringt voraussichtlich den angenehmeren Turnierpfad und stärkt das Selbstvertrauen für die K.o.-Runde.
Was passiert, wenn Deutschland Gruppenzweiter wird?
Wird Deutschland Zweiter in Gruppe E, führt der Weg in der ersten K.o.-Runde nach Dallas. Dort würde Deutschland gegen den Zweiten der Gruppe I spielen.
Diese Gruppe hat es in sich: Dort spielen Frankreich, Senegal, Norwegen und der Irak. Besonders Frankreich wäre natürlich ein absoluter Brocken, aber auch Senegal und Norwegen sind gefährliche Gegner.
Für Deutschland wäre Platz zwei also kein Drama – aber der mögliche Gegner könnte deutlich unangenehmer werden als bei einem Gruppensieg.
Und wenn Deutschland nur Gruppendritter wird?
Auch als Gruppendritter kann man bei der WM 2026 noch weiterkommen. Genau das macht das neue Turnierformat spannend, aber auch unübersichtlich.
Für Deutschland wäre Platz drei allerdings riskant. Dann könnte es gegen einen Gruppensieger gehen – und dort könnten unter anderem England oder Portugal lauern. Spätestens dann wäre schon im Sechzehntelfinale ein echtes Topspiel möglich.